Die Seite der Arbeitnehmer

Als Schwerhöriger oder Gehörloser gibt es bei der Bewerbung auf dem Arbeitsmarkt, aber auch beim Stellenantritt einige Hürden zu überwinden. RAV-Zentren und IV-Stellen bieten dabei Unterstützung. 

Ich bin hörbehindert und suche Arbeit. Was nun?

  • Sorgen Sie dafür, dass ihr Lebenslauf stets aktuell und gut strukturiert ist. Falls Sie unsicher sind, wenden Sie sich an Ihre zuständige Instanz – beispielsweise die Fachstelle in Ihrer Nähe – für Unterstützung.
  • Setzen Sie zum grössten Teil aktive Bewerbungen ein. Das heisst, warten Sie nicht nur darauf, dass eine Arbeitsstelle ausgeschrieben wird, sondern schreiben Sie Firmen/Arbeitgeber direkt an. Der Vorteil ist, dass Sie nicht mit Hunderten von Bewerbern konkurrieren müssen.
  • Wenn Sie Ihre Hörbehinderung im Bewerbungsschreiben nicht erwähnt haben, sollten Sie im Vorstellungsgespräch gut argumentieren können, weshalb nicht.
  • Falls Sie mit Gebärdensprach-Dolmetscher zum Vorstellungsgespräch gehen möchten, sollten Sie Ihren Gesprächspartner davon in Kenntnis setzen. So wird dieser nicht davon überrascht.
  • Seien Sie im Vorstellungsgespräch offen und ehrlich: Sagen Sie,  was Sie in der Kommunikation im Berufsalltag brauchen. Gehen Sie dabei auf den Arbeitgeber ein.
  • Betonen Sie Ihre Stärken. Wenn Sie zum Beispiel nicht telefonieren können, aber analytisch sehr fähig sind, dann streichen Sie das mit einem Beispiel heraus. Gleichen Sie Ihre Hörbehinderung mit einer Stärke aus!
  • Investieren Sie in Ihr Netzwerk. Die meisten Arbeitsstellen werden durch ein Netzwerk von Bekannten und Unbekannten gefunden. Lassen Sie Ihr Umfeld wissen, dass Sie eine Arbeitsstelle suchen und welches Aufgabengebiet Sie anstreben.
  • Gehen Sie nie davon aus, dass die Arbeit auf Sie zukommt. Arbeitssuche ist eine harte Arbeit. Lassen Sie sich – falls nötig – von Instanzen unterstützen. Vergessen Sie aber darüber nicht, dass Sie am Ende die Eigenverantwortung haben.

Ich habe Arbeit gefunden. Worauf soll ich achten?

  • Gehen Sie mit Ihren Kollegen um, wie Sie umgekehrt möchten, dass diese mit Ihnen umgehen. Berücksichtigen Ihre Kollegen Ihrer Meinung nach Ihre Hörbeeinträchtigung ungenügend, müssen Sie selbst etwas unternehmen. Nur darüber zu klagen, hilft nicht und macht Sie ausserdem nicht besonders beliebt.
  • Wenn es nötig ist, weisen Sie Ihre Kollegen/Vorgesetzte freundlich darauf hin, was Sie von ihnen brauchen. Spricht beispielsweise ein Kollege häufig mit der Hand vor dem Mund mit Ihnen, teilen Sie ihm mit, dass Sie so nicht ablesen können und Sie ihn doch gerne verstehen würden.
  • Vereinbaren Sie mit Vorgesetzten und Kollegen, was in bestimmten Situationen zu tun ist. Beispielsweise wenn Sie zu spät zur Arbeit kommen. Vereinbaren Sie, dass Sie in diesem Fall eine SMS an den Vorgesetzten senden können. Halten Sie sich an die gemachten Vereinbarungen. 
  • Wenn Sie für Ihre Arbeit Hilfsmittel brauchen, wählen Sie diese vorab aus. Wenn möglich, holen Sie schon Offerten ein. Besprechen Sie dies mit Ihrem Vorgesetzten. Auch hier gilt: Scheuen Sie sich nicht, Unterstützung von der IV-Kontaktperson oder der Gehörlosenstelle zu holen.

Arbeitsbereich für Menschen mit Hörbeeinträchtigung

Für viele hörbeeinträchtigte Menschen ist es wichtig, in einem akustischen Umfeld zu arbeiten, das gut für sie ist. Hörgeräte allein reichen oft nicht aus, um gute Leistungen zu erbringen. Echos und Störgeräusche maskieren das Sprachsignal. Manchmal kann die Hörumgebung mit relativ kleinen Anpassungen verbessert werden.

 Arbeitsbereich

  • Dämpfung von Hall und Lärm
  • Teppichboden auf dem Boden
  • Vorhänge, vorzugsweise Schwergewebe
  • abgesenkte Decke aus schallabsorbierendem Material

Größe des Arbeitsbereichs

  • Der Arbeitsraum sollte möglichst nicht zu groß sein
  • Mögliche Abschottung des Raumes mit Schallschutzpaneelen

Störquellen minimieren

  • Nicht in der Nähe von belebten anderen Arbeitsplätzen, Flur, Fabrik, Treffpunkt, etc.
  • Platz mit möglichst wenigen Kollegen
  • Vorsicht vor Lärm durch offene Fenster und Türen zur Vermeidung von Lärm
  • Keine geräuschdämpfenden Geräte im Raum wie Kopierer, Drucker, Projektor, mehrere Telefone, Klimaanlage usw. Gegebenenfalls müssen die Rauschquellen abgeschirmt werden.

Verschiedenes

  • Keine Hintergrundmusik
  • Ausreichend Licht, um den Mund der Sprecher deutlich sichtbar zu machen

 Installation im Arbeitsbereich

 Ihr eigener Arbeitsplatz

  • Achten Sie darauf, dass Sie einen Überblick über den Arbeitsbereich haben (mit dem Gesicht zur Tür).
  • Stellen Sie Ihren Schreibtisch so auf, dass das Licht auf das Gesicht der Person auf der anderen Seite des Schreibtisches fällt (Gesichtsbild).

 Das Telefon

  • Wenn sich mehrere Telefone in einem Raum befinden, vergewissern Sie sich, dass das Telefon von dem des Hörgeschädigten verschieden ist, damit es nicht permanent aufgestellt werden muss. Stellen Sie sicher, dass Sie einen Nummerndetektor haben, damit Sie wissen, wer anruft. Sitzen Sie nicht in einer Telefonübertragungskette.

 Besprechungen

  • Treffen oder Sitzungen vorzugsweise nicht in einer großen Gruppe. Versuchen Sie an einem solchen Ort zu sitzen, damit Sie die ganze Gruppe sehen können
  • Für Besprechungen können FM-Geräte oder ein Teleloop verwendet werden.
  • Für die Teilnahme an Konferenzen und Kursen steht FM-Equipment zur Verfügung, das es ermöglicht, diese gut nachvollziehen zu können.

Nicht alle Einstellungen sind für jede hörgeschädigte Person notwendig, aber in allen Fällen wird eine gute Akustik empfohlen. Die gesamte Energie kann dann für die Arbeit und nicht für das Sprachverstehen verwendet werden.

 Hilfsmittel und bauliche Anpassungen

Die IV unterstützt dabei, Ihren Arbeitsplatz an Ihre gesundheitsbedingten Einschränkungen anzupassen.

Wenn es darum geht, den Arbeitsplatz zu erhalten, berät das IV Sie und Ihren Arbeitgeber über Anpassungen. Die IV übernimmt im gesetzlichen Rahmen die Kosten für Hilfsmittel wie höhenverstellbare Tische, angepasste Tastaturen, barrierenfreie Zugänge usw.

Informationen finden Sie hier.