Kommunikation mit hörbeeinträchtigten Menschen

Kommunikation mit Gebärdensprache

Eine Hörbehinderung ist praktisch unsichtbar und kann deshalb sozial stark beeinträchtigen. Die Selbständigkeit und soziale Integration von Hörbeeinträchtigten, egal ob sie nun über Lautsprache oder Gebärdensprache kommunizieren, sind sehr wichtig und brauchen besondere Aufmerksamkeit.

Für die Kommunikation mit hörbeeinträchtigten Menschen gelten einfache Regeln:

  • Stellen Sie einen Blickkontakt her, bevor Sie anfangen zu sprechen Damit erleichtern Sie das Absehen von den Lippen
  • Halten Sie während des gesamten Gesprächs einen direkten Blickkontakt
  • Sprechen Sie in normaler Lautstärke, deutlich und nicht zu schnell.
  • Machen Sie kurze Sätze.
  • Achten Sie auf gutes Licht, damit der Gehörlose gut ablesen kann.
  • Fragen Sie nach, ob Sie verstanden wurden und zeigen Sie selbst deutlich, ob Sie die gehörlose Person verstehen.

Da die Gebärdensprache in der Schweiz lange Zeit unterdrückt wurde, verfügen nicht alle Gehörlosen über die gleichen Gebärdensprachkompetenzen. Besonders ältere Personen sind auch auf Lippenlesen angewiesen. Lippenlesen kann dabei zwar das Verständnis unterstützen, aber nicht sicherstellen. Um Laute aufgrund des Mundbildes zu erkennen, muss das Gegenüber sehr deutlich und langsam Hochdeutsch sprechen. Doch selbst dann können Gehörlose im besten Fall nur rund 30 bis 60 Prozent des Gesagten sicher erkennen. Den Rest des Gesprächsinhaltes müssen sie erraten und kombinieren, was häufig zu Missverständnissen führt. Zudem ist Lippenlesen sehr ermüdend und nicht geeignet für längere und komplexe Gespräche. Ein Kurzfilm der Audiopädagogik informiert über das Lippenlesen.

Das Berufsbildungswerk München, Förderschwerpunkt Hören und Sprache, hat 2011 Kommunikationskarten herausgegeben. Unter dem Motto «Sehen & Verstehen» geben diese Tipps zur Kommunikation mit hörbehinderten Partnern.

Die Kommunikationskarten können hier heruntergeladen werden.

Das Lormen ist ein mit dem Finger in die Hand «geschriebenes» Alphabet, bei dem bestimmte Zeichen an bestimmten Stellen der Handinnenfläche verschiedene Einzelbuchstaben des Alphabets repräsentieren. Hieronymus Lorm, nach dem das Tast-Alphabet für Taubblinde benannt wurde, hat als erster im deutschen Sprachraum mit seinem Hand-Zeichen-System taubblinden Menschen den Weg zur Verständigung mit anderen eröffnet. Die Erfindung des Lormens bedeutete einen enormen Fortschritt für Taubblinde: Das einfach zu erlernende Tast-Alphabet erlöst sie aus ihrer totalen kommunikativen Isolation.

Die Lormsprache leistet auch Menschen mit Hörsehbehinderung und Schwerhörigen gute Dienste. Sie ist im Gegensatz zur Blindenschrift Braille oder zur Gebärdensprache schnell und einfach zu lernen. 

Lormen ist ein Alphabet, das in die Hand geschrieben wird. Damit dieses taktile Alphabet gelernt und geübt werden kann, hat der Schweizerische Zentralverein für das Blindenwesen (SZB) die App «Lern Lormen» entwickelt. Um das Handalphabet in kleinen Schritten zu lernen, wurde die App nach dem bewährten Prinzip der Buchstabengruppen aus den Lormkursen aufgebaut. Diese Methode wurde von den Lormlehrerinnen entwickelt und von den Selbsthilfevereinigungen für hörsehbehinderte und taubblinde Menschen Tactile und Gersam für die App zur Verfügung gestellt. Die App ist in erster Linie für Tablets gedacht, um die Lormhand genügend gross abzubilden und lernen und üben zu können. Sie kann aber sowohl bei Android- wie auch iOS-Geräten auf ein Smartphone heruntergeladen werden. Die «Lern Lormen»-App kann auf der Website des SZB heruntergeladen werden.