Barrierefreie Mobilität für Hörbeeinträchtigte

Die Mobilität nimmt in der Entwicklung unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert ein. Menschen mit Hörbeeinträchtigungen stossen dort immer wieder auf problematische Situationen. Ein paar Beispiele: Ein Wechsel auf einen Ersatzzug, ein Stromausfall, eine unvorhergesehene Umleitung – alles Ereignisse, die für Zug-Reisende ärgerlich sind. Während im Normalfall eine Durchsage im Zug die Reisenden darüber informiert, wie es weitergeht, haben Gehörlose oder Hörbehinderte oft das Nachsehen. Wie lassen sich zum Beispiel Zugverbindungen ermitteln, wenn ein Mensch mit Hörbehinderung auch die Sehkraft verloren hat und keine Fahrpläne mehr lesen kann?

Das Reisen mit dem öffentlichen Verkehr hat sich zwar für Gehörlose und Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung in den letzten Jahren punktuell verbessert – von Schaltern mit Induktionsverstärkern über den Procom-SMS-Dienst bis zu modernen Kundeninformationssystemen zu Abfahrten oder Verspätungen. Für Verbesserungen wie diese hat nicht zuletzt das Behindertengleichgestellungsgesetz (BehiG) seit 2004 gesorgt. Es hält fest, dass der öffentliche Verkehr bis spätestens Ende 2023 den Menschen mit einer Behinderung ein autonomes Reisen ermöglichen muss. Aber es gibt noch grosses Entwicklungspotenzial.

Fachkommission Hörbehinderte im öffentlichen Verkehr (HöV)

Sonos engagiert sich für barrierefreie Mobilität: Die drei Trägerorganisationen Sonos, Pro Audito Schweiz und SGB-FSS gründeten am 6. Februar 2015 in Zürich gemeinsam die Fachkommission Hörbehinderte im öffentlichen Verkehr (HöV). Vorsitzender der Fachkommission ist Victor Senn. Die Fachkommission HöV arbeitet mit der Fachstelle Barrierefreier öffentlicher Verkehr (BöV), die seit 1. Januar 2015 neu unter dem Namen Integration Handicap geführt wird, zusammen. Die Fachkommission HöV besteht aus Victor Senn, Vertreter IGGH, Viktor Buser, Vertreter SGB-FSS, Stéphane Faustinelli, Vertreterin SGB-FSS, Toni Schmid, Vertreter Pro Audito Schweiz, Arthur Wirz, Vertreter Pro Audito Freiburg, Petra Schlatter, Vertreterin Sonos, Brigitte Schökle, Vertreterin IGGH und Anne Grassi, Vertreterin Forum Écouté.

Die Anliegen von Gehörlosen und Hörbeeinträchtigten können damit direkt den internen Entscheidungsträgern der SBB vermittelt werden. Dazu zählen unter anderem Anpassungen in Fahrzeugen und der Infrastruktur sowie hörbehindertengerechte Kundeninformationen und Informationsanzeigen. Im Behindertenbeirat der SBB haben als Vertreter der Hörbehinderten Victor Senn und Viktor Buser Einsitz. Der SBB-Behindertenbeirat hat die Fachkommission HöV gebeten, sich in Facharbeitsgruppen zu engagieren, in der Facharbeitsgruppe (FAG) Rollmaterial, der FAG Kundeninformation und der FAG Infrastruktur.

Die Fachkommission HöV hat Ende 2015 beschlossen, neu auch für Schiffe eine Anforderungsliste zu erarbeiten.

Abteilung Gleichstellung von Inclusion Handicap

Inclusion Handicap (vormals Integration Handicap) ist als Dachverband der Behindertenorganisationen Schweiz die vereinte Stimme von Menschen mit Behinderung in der Schweiz. Mitglied des Dachverbandes sind 24 gesamtschweizerische und sprachregionale Behindertenverbände und Selbsthilfeorganisationen.

Die Abteilung Gleichstellung von Inclusion Handicap ist zuständig für rechtliche und technische Fragen im Zusammenhang mit der Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Sie besteht aus den ehemaligen Fachstellen Egalité Handicap und Schweizerische Fachstelle Barrierefreier öffentlicher Verkehr (BöV). Sie koordiniert die Anliegen der Menschen mit Behinderungen und ihrer Organisationen im Bereich des Behindertengleichstellungsrechts und vertritt sie gegenüber der Verwaltung, Politik, Wirtschaft und der allgemeinen Öffentlichkeit.
www.inclusionhandicap.ch

Das BAV steht in Sachen Barrierefreiheit im öffentlichen Verkehr den über 200 konzessionierten Transportunternehmen sowie den Kantonen und Gemeinden beratend, gestaltend und kontrollierend als wichtiger Ansprechpartner zur Seite. Es koordiniert in enger Zusammenarbeit mit den Transportunternehmen und den Behindertenvertretungen sowohl die Planung als auch die technische und finanzielle Umsetzung des Behindertengleichstellungsgesetzes (BehiG).
www.bav.admin.ch

Die SBB bietet auf ihrer Homepage Informationen für Hörbehinderte – vom Induktionsverstärker bis zu Informationen zum «Procom SMS-Dienst».
www.sbb.ch

Die Broschüre der SBB «Barrierefrei unterwegs» wendet sich an alle Reisenden mit eingeschränkter Mobilität. In der Publikation finden sich alle notwendigen Informationen, um selbständig oder mit Unterstützung durch das Zugpersonal der SBB in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen. Das gesamte Angebot steht allen Reisenden im Rollstuhl, Hörbehinderten, Gehbehinderten, Blinden und Sehbehinderten zur Verfügung. Die Broschüre zum Download.

Am 1. Dezember 2016 wurde in Zürich der Förderverein «Barrierefreie Schweiz» gegründet. Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, aktuelle Reiseinformationen für Menschen mit Behinderungen im Schweizer Tourismus strukturiert sichtbar und auf breiter Basis zugänglich zu machen. Menschen mit einer Behinderung haben individuelle Bedürfnisse und werden als Gästesegment kaum wahrgenommen. In der Schweiz besteht zwar bereits ein interessantes, barrierefreies Ferien- und Freizeitangebot, jedoch ist es für die Gäste oftmals schwierig, an verlässliche und aktuelle Informationen zu diesen Angeboten zu gelangen. So ist es zum Beispiel praktisch unmöglich, für eine einzelne Destination alle barrierefrei relevanten Informationen in einem System abzurufen.

Der Verein «Barrierefreie Schweiz» will dieses Problem lösen, indem die Informationen vereinheitlicht und zielgerichtet weitergegeben werden. Um einen Austausch zwischen den Tourismusorganisationen und die Nutzung der Synergien der einzelnen Teilprojekte der Organisationen zu gewährleisten, wird eine Geschäftsstelle errichtet. Mobility International Schweiz, die Fachstelle für barrierefreies Reisen wird mit dieser Aufgabe betraut. Das Projekt «Barrierefreie Schweiz» ist aus dem Gemeinschaftsprojekt «Ferien – zugänglich für alle» der Stiftung Denk an mich und der Schweizer Jugendherbergen entstanden. Nach einer Anschubfinanzierung durch die Stiftung Denk an mich wird der Förderverein finanziell durch das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen EBGB unterstützt.

Gründungsmitglieder des Vereins sind: GastroSuisse, hotelleriesuisse, Mobility International Schweiz, Pro Infirmis, Schweizerische Bundesbahnen SBB, Schweizer Tourismus-Verband, Schweiz Tourismus, Schweizer Reisekasse (Reka) Genossenschaft, Schweizer Jugendherbergen, Schweizer Paraplegiker Vereinigung, Seilbahnen Schweiz, Stiftung Denk an mich, Tourismus Engadin Scuol Samnaun Val Müstair AG, Verband öffentlicher Verkehr. Weitere Mitglieder, die den Vereinszweck unterstützen, sind willkommen.

Kontaktpersonen:
Präsidentin Förderverein «Barrierefreie Schweiz»
Barbara Gisi, Direktorin Schweizer Tourismus-Verband
barbara.gisi@remove-this.swisstourfed.ch

Leiter Geschäftsstelle «Barrierefreie Schweiz»
Marcus Rocca, Geschäftsführer Mobility International Schweiz
marcus.rocca@remove-this.mis-ch.ch 

Im Projekt Trainslate wird ein Programm entwickelt, das deutsche Zugansagen der SBB automatisch in die Deutschschweizerische Gebärdensprache (DSGS) übersetzt. Von einer Leitzentrale aus sollen künftig digitale Texte an eine Smartphone-App geschickt werden, auf der die Informationen entweder in animierter Gebärdensprache (Avatar) dargestellt oder als Text angezeigt werden können. Ausserordentliche Durchsagen können nun in der Leitzentrale als Text vorbereitet werden. Sie gelangen via Funk an einen bestimmten Zug, in dem die Fahrgäste die ausserordentliche Durchsage auf ihr Mobilgerät erhalten, sogar noch bevor der Zugführer die Ansage ins Mikrofon spricht. Im Frühjahr 2016 soll die mobile Applikation getestet werden.

Das Projekt wird finanziell unterstützt vom Eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (EBGB) und von der Max-Bircher-Stiftung. Das Trainslate-Team besteht aus Martin Volk und Sarah Ebling vom Institut für Computerlinguistik der Universität Zürich sowie zwei gehörlosen Mitarbeiterinnen.
www.cl.uzh.ch

Mobility International Schweiz (MIS) ist die Fachstelle für barrierefreies Reisen in der Schweiz. MIS ist ein Verein schweizerischen Rechts und wird unter anderem vom Bundesamt für Sozialversicherungen und verschiedenen Trägerorganisationen unterstützt. Hauptaufgabe der Reisefachstelle ist die Sammlung weltweiter Informationen zu barrierefreien Reisen und deren Weitergabe an alle Interessenten. Ein weiteres Bestreben von MIS ist die Integration dieser Informationen in bestehende Publikationen.
www.mis-ch.ch