Barrierefreie Medien für Hörbeeinträchtigte

Barrierefreies Internet

In der Schweiz ist die Zugänglichkeit zu Internetangeboten des Staates für Menschen mit Behinderung in der Bundesverfassung geregelt und die Regulierung der Barrierefreiheit von Websites wird durch Gesetz und Verordnung konkretisiert.

  • Das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) trat am 1. Januar 2004 in Kraft. Es bezweckt Menschen mit Behinderungen möglichst zu einem Leben zu verhelfen, welches mit demjenigen von Nichtbehinderten vergleichbar ist.
  • In der Behindertengleichstellungsverordnung (BehiV), die gleichzeitig in Kraft trat, ist in Artikel 10 detailliert beschrieben, dass die Informationen sowie die Kommunikations- und Transaktionsdienstleistungen über das Internet für Sprach-, Hör-, Seh- und motorisch Behinderte zugänglich sein müssen.
  • Konkret bedeutet dies, dass Internetangebote des Staates (Bund, Kantone, Gemeinden, bundesnahe Firmen) für Behinderte ohne erschwerende Bedingungen zugänglich sein müssen. Internetangebote von Privaten haben keine Verpflichtung zur behindertengerechten Ausgestaltung, aber sie dürfen keine Bevölkerungsgruppen diskriminieren.

Das Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen (EBGB) hat im Juni 2017 den Leitfaden «Barrierefreie digitale Kommunikation» online veröffentlicht. Je nach Kontext und Handicap sehen sich Menschen mit Behinderungen unterschiedlichen Kommunikationshindernissen ausgesetzt. Häufig genügen einfache Massnahmen, um diese zu beseitigen, oder deren Folgen zu reduzieren. Ein Leitfaden sowie die dazugehörenden spezifischen Faktenblätter zeigen auf, wie hindernisfreie Informationen im Internet ermöglicht werden. Den Leitfaden des EBGB sowie die Faktenblätter finden Sie hier.

Immer mehr Alltagstätigkeiten finden über das Internet statt. Gleichzeitig nutzen immer mehr ältere Menschen und Personen mit Behinderungen das Internet. Ein barrierefreier Zugang zu digitalen Inhalten wird immer wichtiger. Technologie hilft Barrieren abbauen, aber Technologie schafft auch neue Barrieren – die Schweizerische Stiftung zur behindertengerechten Technologienutzung «Zugang für alle» ist eine Initiative zur Überwindung der Barrieren.

Es braucht wenig, um die Qualität des Zugangs zu verbessern: Die Seiten und die Dokumente sollten strukturiert und klar gestaltet sein, genaue und vollständige Informationen enthalten und den Textanteil nicht überfrachten, einfache Suchmittel anbieten, Farbkontraste berücksichtigen und aussagekräftige Hyperlinks liefern. Von der Barrierefreiheit profitieren nicht nur Menschen mit Behinderungen. Durch das Einhalten von Standards und einer klaren und einfachen Struktur wird die Kompatibilität verbessert, die Stabilität erhöht und die Ladezeiten verkürzt. Zudem bietet dies auch eine gute Grundlage für eine erfolgreiche Suchmaschinenoptimierung.

Auf der Website www.einfach-barrierefrei.net finden Sie alle relevanten Informationen zum Thema Barrierefreiheit übersichtlich zusammengestellt und einfach erklärt.

Barrierefreies Fernsehen

Das Fernsehen lebt zwar von Bildern, wer aber nichts hören kann, verpasst wichtige Informationen. Die meisten Sender bieten darum wichtige Sendungen in Gebärdensprache beziehungsweise untertitelt an. 

Das revidierte Radio- und Fernsehgesetz (RTVG) auferlegt der Medienanstalt SRG SSR neue, gesetzlich geregelte Pflichten in Bezug auf die behindertengerechte Aufbereitung von Fernsehsendungen. Die SRG hat deshalb mit Sonos und anderen Behindertenorganisationen eine Übereinkunft ausgearbeitet, um die gesetzlichen Vorgaben so schnell als möglich umzusetzen und dadurch einen Beitrag zur kommunikativen Integration von Menschen mit Hörbehinderung zu leisten. Unterstützung soll durch Untertitelungen und Gebärdensprache erfolgen.

  • Untertitelung: Fast alle Fernsehprogramme in der Primetime werden untertitelt, zudem werden die Live-Sendungen am Wochenende ab Mittag sowie ausgewählte Programme zu Randzeiten mit Untertiteln versehen. Bei den Sendungen im SRF Player können Untertitel für hörbehinderte Menschen seit 19. Januar 2014 zugeschaltet werden. 
  • Gebärdensprache: SRF strahlt für Menschen mit einer Hörbeeinträchtigung täglich die Hauptausgabe der «Tagesschau» parallel in Gebärdensprache übersetzt auf SRF Info aus und zeigt die Wiederholung des «Kassensturz» in Gebärdensprache jeweils am Wochenende auf SRF Info und SRF Zwei. Dazu kommen die Ansprachen der Bundesräte zu den Abstimmungsvorlagen. Für Kinder gibt es die Guetnachtgschichtli in Gebärdensprache. Die Folgen der Animationsserie «Flapper und Fründe» wurden fürs Internet produziert und sind im SRF-Player abrufbar.

Mehr Informationen finden Sie auf der Website des SRF.

Die Revision des Radio- und Fernsehgesetzes (RTVG) vom 20. Juni 2015 sieht vor, dass regionale und private Fernsehsender ab Juli 2016 in den Abendstunden untertitelte Sendungen anbieten müssen. 

In der Westschweiz läuft einmal pro Monat auf RTS die Sendung «Signes». Seit über 30 Jahren informiert die halbstündige Sendung in französischer Gebärdensprache über unterschiedliche Themen. 
http://www.rts.ch/emissions/signes

Das neue Rundfunkbeitragsmodell, nach dem auch Menschen mit Behinderung anteilig einen Beitrag entrichten, hat das Thema bei ZDF und ARD noch mehr in den Fokus gerückt. Rund 93 Prozent des Angebots im Ersten sind inzwischen mit Untertiteln für gehörlose und schwerhörige Menschen versehen. Damit konnte die Untertitelquote seit 2012 nahezu verdoppelt werden. Auch alle Landesrundfunkanstalten haben in ihren Dritten Programmen weitere Fortschritte erzielt und ihr Angebot nachhaltig ausgeweitet.

Mehr Informationen finden Sie auf der Website der ARD.

In «Das Erste Mediathek» stehen beinahe alle Videos zu Sendungen des Ersten Deutschen Fernsehens auch mit Untertitelung zur Verfügung. Einzelne Sendungen werden zudem mit Gebärdensprachdolmetscher angeboten. Die ARD informiert mit einer Liste über die Sendungen aus der Mediathek, die untertitelt werden.

Auch das ZDF versteht unter barrierefreien Angeboten programmbegleitende Dienste für hörgeschädigte Menschen, nämlich die Bereitstellung von Untertiteln. Seit April 2013 können Hörbeeinträchtigte 100 Prozent dabei sein, wenn die meisten Menschen fernsehen – zwischen 16 Uhr und 22.15 Uhr. In diesem Zeitfenster bietet das ZDF lückenlos Untertitel an. Des Weiteren gehört zu den barrierefreien Angeboten auch die Bereitstellung von Beiträgen mit Gebärdenspracheinblendung. Das «Heute Journal» wird mit Gebärdenspracheinblendungen (DGS) im ARD-Sender Phoenix ausgestrahlt. Wenn man das «Heute Journal» mit Gebärdensprache verpasst hat, findet man es in der ZDF-Mediathek. Dieser Mitschnitt ist zurzeit das einzige Angebot mit Gebärdensprache in der ZDF-Mediathek. Mehr Informationen finden Sie auf der Website des ZDF.

Die Sendung «Sehen statt hö­ren» wurde 1998 in der Deutschschweiz abgesetzt, in Deutschland läuft sie im Bayerischen Fernsehen BR wei­ter. Seit 40 Jahren ist das Wochenmagazin für Gehörlose die einzige Sendereihe in der deutschen Fernsehlandschaft, die im Bild sichtbar macht, was man sonst nur im Ton hört. Nicht im «Off», sondern im «On» werden hier die Inhalte präsentiert - mit den visuellen Mitteln des Fernsehens, Gebärdensprache und offenen Untertiteln. Jedoch sollen aus Kostengründen weniger neue Sendungen für hörbeeinträchtigte Zuschauer produziert werden. Mehr Informationen finden Sie auf der Website des BR.

Das Web-Format «Focus Five» wurde 2003 gegründet mit dem Ziel, Nachrichten und Informationen für Gehörlose, Schwerhörige, aber auch Hörende in Gebärdensprache zu produzieren und mittels Internetfernsehen (Web-TV) zu verbreiten. «Focus Five» ist Pionier auf diesem Gebiet: 2003 war das Format europaweit die einzige Organisation, die ein derartiges Web-TV betrieben. Seit 2015 besteht es nur noch in reduzierter Form. Rund 500 Sendungen sind auf der Website versammelt. Mehr Informationen finden Sie auf der Website www.focusfive.tv

Das TV-Format «Guckmich.TV» zeigt in regelmässiger Folge Wissensfilme über Alltagsphänomene. Zielgruppe der Gebärdensprach-Sendungen sind Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren. Die Website wurde 2015 mit dem Deutschen Medienbildungspreis «digita» ausgezeichnet. Mehr Informationen zum Online-TV finden Sie auf der Website www.guckmich.tv.

Das Online-TV Vibelle präsentiert monatlich neue Gebärdensprachsendungen zum Thema Arbeit. Vibelle ist ein Projekt von gehörlosen und hörenden Mitarbeitern am Lehrstuhls für Deutsche Philologie an der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule (RWTH) Aachen, das bis 2012 vom deutschen Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wurde. Seit 2007 bietet das Informations- und Lernportal gehörlosen und hörbeeinträchtigten Berufseinsteigern sowie Arbeitnehmern die Möglichkeit, sich selbstständig und in Deutscher Gebärdensprache (DGS) über berufsbezogene Themen zu informieren und in Eigeninitiative berufsrelevante Fertigkeiten zu erwerben.
www.vibelle.de/tv

Barrierefreies Kino

Die beiden Apps «Greta» und «Starks» bedeuten den Durchbruch für Inklusion im Kino. Die App «Greta» macht Audiodeskriptionen zugänglich, die App «Starks» bietet Untertitel, einfach und kostenlos vom eigenen Smartphone. Die beiden 2014 lancierten Apps lassen sich bei Google-Play und im Mac-App-Store kostenlos herunterladen. Der User kann sich dann aus dem barrierefreien Filmangebot die Audiodeskription oder die Untertitel seines Wunschfilms aussuchen.

Die Apps «Cinema Connect» und «Mobile Connect» der Sennheiser Streaming Technologies GmbH sollen künftig dafür sorgen, dass Menschen mit Hörbehinderung in Theaterstücken und Kinofilmen jedes einzelne Wort verstehen können – auch wenn sie kein Hörgerät tragen. Die neue Hörunterstützungstechnologie haben Forscher der Oldenburger Projektgruppe für Hör-, Sprach- und Audiotechnologie des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie IDMT entwickelt. Ein Streaming-Server überträgt dabei das Audiosignal der Bühne oder des Kinofilms direkt auf das Smartphone der Besucher. Dieses gibt dann die Daten direkt über die Kopfhörer wieder, während sie über das geschlossene Netzwerk geladen werden. Trägt man ein Hörgerät, das auf das Smartphone angepasst ist, kann man sich die Tonsignale von der App via Bluetooth auch alternativ direkt auf die Hörhilfe schicken lassen.

Barrierefreie Literatur

DAISY heisst: «Digital Accessible Information System» und bezeichnet die Standards und Technologien, die von den Blindenbüchereien der Welt für die neue digitale Hörbuchgeneration entwickelt werden. Bisher wurden Hörbücher für Blinde und Sehbehinderte auf Audiokassetten angeboten. Da die im kommerziellen Hörbuchmarkt häufig eingesetzte Audio-CD aus Speicher- und Navigationsgründen für vollständig aufgesprochene Hörbücher ungeeignet ist, musste ein neues digitales Medium entwickelt werden – DAISY. Auf eine DAISY-CD passen bis zu 40 Stunden lange Hörbücher beziehungsweise mehrere kürzere Bücher, auf eine handelsübliche Audio-CD hingegen lediglich bis zu 80 Minuten. Hörbücher und E-Books im DAISY-Format sind navigierbar, das heisst, es kann in ihnen «geblättert» werden wie in einem Buch. So sind Kapitel, Seiten oder einzelne Abschnitte einfach und schnell ausgewählt. Zudem lässt sich jede Textstelle mit einem Lesezeichen versehen.

Doch nicht nur Blinde und Sehbehinderte profitieren von DAISY: Es gibt eine ganze Palette von Abspielgeräten für unterschiedliche Kundengruppen und Bedürfnisse. Manche DAISY-Abspielgeräte haben integrierte Lautsprecher mit sehr gutem, vollem Klang (Bassreflex), deren Akustik mit Klangtasten für hörbeeinträchtigte Nutzer speziell eingestellt werden kann. IV-berechtigte Personen können eine Vergünstigung beantragen.

Die Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte (SBS) bietet die Möglichkeit, DAISY-Bücher im kostenfreien Bibliotheksservice auszuleihen. Ein spezieller Support für das Format wird ebenfalls an der SBS geboten.
www.sbs.ch