Barrierefreie Kultur für Hörbeeinträchtigte

Häufig stossen auch Kulturorte an ihre Grenzen, wenn es um den barrierefreien Zugang zu ihren Angeboten geht. Damit ist nicht nur bauliche Barrierefreiheit gemeint, sondern darüber hinaus sollten für Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen und für lernbehinderte Menschen Kunst und Kultur mit allen Sinnen erlebbar und begreifbar gemacht werden, beispielsweise durch taktile, visuelle und audiophone Präsentationen. So fehlt es zum Beispiel in Kinos an technischen Hilfsmitteln oder in Museen an Dolmetscherdiensten. Zudem gilt es, die aktive Teilnahme von Menschen mit Behinderungen an kulturellen Veranstaltungen zu fördern. So könnten zusätzliche Vermittlungsprojekte, insbesondere die Entwicklung von zusätzlichen Angeboten für schulische Einrichtungen, auch gezielt gehörlose und hörbehinderte Kinder und Jugendliche ansprechen.

Barrierefreie Kultur - Ewigi Liebi
MUX ermöglicht barrierefreie Kulturveranstaltung: Musical Ewigi Liebi, in Gebärdensprache übersetzt.

Wer seine Angebote barrierefrei gestaltet, gewinnt damit auch neue Zielgruppen. Denn nicht nur für Menschen mit Behinderungen ist der Abbau von Zugangshürden wichtig, auch andere Gruppen, wie Eltern mit kleinen Kindern oder ältere Menschen, profitieren davon.

Das interaktive Magazin Hearzone ermöglicht es, dass Menschen mit Hörbehinderung und hörende Menschen im deutschsprachigen Raum miteinander in Verbindung kommen und sich gegenseitig unterstützen können. Das Magazin bietet Infos zu Sport, Gesundheit, Kultur, Bildung und anderen Themen. 
www.hearzone.net

Konzert wird gedolmetscht

MUX Verein für Musik Und GebärdenSprache (GS gleich phonetisch X) organisiert den gehörlosengerechten Zugang zu musikalischen Anlässen. Im Jahr 2000 wurde die Arbeitsgruppe MUX mit dem ersten übersetzten Konzert von Gölä ins Leben gerufen. Viele weitere Konzertübersetzungen folgten, unter anderem mit Sina, Patent Ochsner, Bligg und diversen Musicals. Der Verein MUX wurde 2010 gegründet und löste nach 10 Jahren die Tätigkeit der ehrenamtlichen Arbeitsgruppe MUX ab. In den vergangenen 15 Jahren wurden über 60 Live-Anlässe übersetzt und damit musikinteressierten Gehörlosen und Gebärdensprachbenutzern zugänglich gemacht.
www.mux3.ch

Der Zugangsmonitor dokumentiert die Zugänglichkeit von Kulturinstitutionen in der ganzen Schweiz. Die Informationen richten sich an Menschen mit Hör-, Seh- und Mobilitätsbehinderung. Der Zugangsmonitor ist eine Dienstleistung von Procap, der grössten Selbsthilfeorganisation für Menschen mit einer Behinderung in der Schweiz.
www.zugangsmonitor.ch

Das Label für inklusive Kulturinstitutionen «Kultur inklusiv» steht für den möglichst ungehinderten Zugang zu Kulturangeboten und für die inklusive kulturelle Teilhabe von allen interessierten Menschen, auch von Menschen mit Behinderungen. Das Label wurde als Pilotprojekt im Kanton Bern unter der Trägerschaft von Pro Infirmis Kanton Bern und der Fachstelle Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen der Stadt Bern ins Leben gerufen. Das Pilotprojekt wurde inzwischen in die neue Fachstelle Kultur inklusiv von Pro Infirmis überführt. Das Label soll auf weitere Kantone der Deutschschweiz ausgeweitet werden, unter enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Kantonalen Geschäftsstellen von Pro Infirmis.

Mehr Informationen zum Label und seinen ersten Labelträgern im Kanton Bern finden Sie unter www.kulturinklusiv.ch.

Das Handbuch «Kultur barrierefrei» wurde vom Verein Open Hearts und dem Verein Blindspot – Nationale Förderorganisation für Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderungen erarbeitet. Es stellt Veranstaltern und Organisationskommitees Informationen für die Organisation barrierefreier kultureller Veranstaltungen zur Verfügung – mit zahlreichen Checklisten. 
www.kultur-barrierefrei.ch

Die Broschüre «Barrierefreie Museen» wird vom Verband der Museen der Schweiz herausgegeben. Die Publikation will Schweizer Museumsfachleute für die kulturelle Teilhabe von Menschen mit Behinderungen sensibilisieren. Zudem soll sie Anreiz sein, eigene Konzepte für mehr Zugänglichkeit auf physischer und inhaltlicher Ebene zu entwickeln. Die Broschüre kann unter www.museums.ch/publikationen bestellt werden.